SAP ECC

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Definition: SAP ECC

(SAP ERP Central Component)

19.08.2021

SAP ECC steht für „SAP ERP Central Component“ und war bis zu seiner Ablösung durch SAP S/4HANA das zentrale ERP-System des Softwareherstellers SAP. Hier erfahren Sie mehr über das Fundament der SAP Business Suite.

Was ist SAP ECC?

SAP ECC ist ein System aus dem Bereich „Enterprise Ressource Planning“ (ERP) und eine Softwarelösung für Unternehmen. Es umfasst eine Vielzahl eigenständiger Anwendungen, die die Speicherung, Abfrage, Analyse und Verarbeitung von internen Datensätzen unterstützen. Die Nutzung des gesamten Informationssystems gewährleistet Unternehmen die Konsistenz aller Daten. Darüber hinaus kann SAP ECC den Informationsaustausch zwischen verschiedenen Abteilungen und Niederlassungen des Unternehmens synchronisieren. Der gesamte Geschäftsprozess vom Eingang der Materialbestellung über die Produktion bis zur Auslieferung kann mit dem SAP ERP Central Component in Echtzeit für alle Benutzer aus unterschiedlichen Abteilungen erfasst und bearbeitet werden.

Als Weiterentwicklung des Vorgängersystems SAP R/3 wird das Einsatzplanungs- und Informationssystem SAP ECC als Softwarelösung für Unternehmen eingesetzt, um zahlreiche Geschäftsprozesse zu organisieren. Die besondere Funktion des SAP ERP Central Component ist seit R/3 die hohe Kompatibilität und Portabilität von Anwendungen und Datensätzen. Die Software ist mit gängigen Betriebssystemen kompatibel und kann mithilfe von SAP Mobile verschiedene Datenbanksysteme und Benutzeroberflächen unterstützen und an externe Geschäftsanwendungen und Erweiterungen anbinden. Der Nachfolger von SAP ECC ist SAP S/4HANA, auf das sich die SAP fokussiert. Daher garantiert die SAP Support und Wartung für SAP ECC nur noch bis zum Jahr 2027.

Welche Funktionen bietet SAP ECC?

SAP ECC wird meist in großen und mittelständischen Unternehmen eingesetzt. Wie die meisten Geschäftsanwendungen auf Unternehmensebene können die ECC-Komponenten integriert werden und zusammenarbeiten. Im Allgemeinen beziehen sich die Module und Komponenten auf einen Teil des unabhängig entwickelten Programms, um Geschäftsprozesse wie beispielsweise Einkauf oder Buchhaltung abzuwickeln. SAP ECC setzt sich aus zehn Funktionskomponenten und zwei technischen Komponenten zusammen.

Funktionskomponenten im SAP ECC

SAP ERP Central Component bedient Geschäftsprozesse in verschiedenen Branchen. Die funktionalen Komponenten, die Unternehmen typischerweise von Anfang an einsetzen, sind die Finanzbuchhaltung (FI), die Kostenrechnung (CO), die Materialwirtschaft (MM) und den Vertrieb (SD). Jede Komponente muss implementiert werden, um ihre Funktionalität zu entfalten. Unternehmen können jedoch auch nur bestimmte Komponenten einsetzen. Im Folgenden finden Sie eine Liste von zehn häufig implementierten Funktionskomponenten von SAP ECC:

  • Finanzbuchhaltung (FI): Die Finanzkomponente SAP FI erfasst die Finanztransaktionen des Unternehmens, einschließlich der Transaktionen seiner Kunden und Lieferanten. Auf der Finanzseite übernimmt das Programm die Verkaufsforderungen, Einkaufsverbindlichkeiten und das Cash-Management sowie die Abstimmungsprozesse.
  • Kostenrechnung (CO): Die Komponente Controlling ist für die Kostenstellenrechnung, Profit-Center-Rechnung, Innenaufträge und stellt die Finanzplanung bereit. Dazu gehört auch die Produktkostenrechnung, die Ist-Kosten vergleicht und vor allem produzierende Unternehmen unterstützt. Die ersten beiden Komponenten werden oft als „FICO“ oder „FI-CO“ zusammengefasst. Tatsächlich sind es zwei eigenständige Komponenten.
  • Vertrieb (SD): Die Vertriebskomponente steuert den grundlegenden Verkaufsprozess, einschließlich des Verkaufs von Produkten und Dienstleistungen auf den nationalen und internationalen Märkten durch Direktverkauf an Kunden oder über Vertriebsnetze. „Sales and Distribution“ ist auch für Kundenretouren sowie Rechnungen zuständig.
  • Materialwirtschaft (MM): Die Komponente Materialwirtschaft verwaltet Einkauf und Lager. Materialien und Dienstleistungen können von lokalen und internationalen Lieferanten bezogen werden. In der Bestandsführung verwaltet MM alle Sendungen, Wareneingänge und den Materialtransfer von einem Werk oder Lagerort zum anderen. Auch die Inventur und der Abgleich des Materialbestands sind im „Material Management“ hinterlegt.
  • Produktionsplanung und -steuerung (PP): Die Produktionsplanungs- und Steuerungskomponenten unterstützen Unternehmen bei der Abstimmung von Bedarf und Produktionskapazität, damit sie die Produktion, den Verkauf und die Distribution von Produkten planen können. „Production Planning“ ist elementar in der Lieferkette eines Herstellers. Es kann in der Einzel-, Prozess- oder Serienabfertigung oder in Kombination mehrerer Typen eingesetzt werden.
  • Qualitätsmanagement (QM): Der Teil des Qualitätsmanagements ist hauptsächlich in die Beschaffungs-, Produktions-, Instandhaltungs- und Vertriebsprozesse integriert. Zu den erweiterten Funktionen gehören die Verwaltung kompletter interner oder externer Geschäftsprozesse, das Finden der Ursache von Produktfehlern und die kontinuierliche Qualitätsverbesserung von Geschäftsprozessen.
  • Instandhaltung (PM): Wartungskomponenten überwachen Maschinen und Funktionsräume wie beispielsweise Heizräume auf ihren Normalzustand und warnen vor Problemen, um Maschinenausfälle und Produktionsunterbrechungen zu vermeiden. Die Komponente PM umfasst Geschäftsprozesse wie Inspektion, Wartung und Reparatur.
  • Kundenservice (CS): Die Komponente „Customer Service“ wickelt Geschäftsprozesse des Unternehmens ab. Es erbringt Wartungsdienstleistungen für die Systeme seiner Kunden. Bestandteil der CS-Komponente ist auch die Möglichkeit, den Kunden Wartungsleistungen in Rechnung zu stellen.
  • Projektsystem (PS): Das Projektsystem verwaltet große und komplexe Projekte, wie den Bau einer neuen Produktionsanlage. Jede projektspezifische Beschaffung oder Produktion durch PS stellt sicher, dass die Komponente die Projektkosten ausgleichen kann, während das definierte Projektbudget eingehalten wird.
  • Humankapitalmanagement (HCM): Der Personalbereich verwaltet Lohn- und Zeitwirtschaftsaktivitäten wie Karriereentwicklung, Entlassungen, Einstellungen und Arbeitssicherheit.

Die funktionalen Komponenten enthalten weitere Unterkomponenten. Diese können bei Bedarf implementiert werden, wenn sich die Geschäftsprozesse des Unternehmens erweitern.

Ratgeber SAP S/4HANA as a Service

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Technische Komponenten in SAP ECC

Die technischen Komponenten ABAP und NetWeaver müssen implementiert sein. NetWeaver ist die Entwicklungs- und Betriebsumgebung von SAP-Geschäftsanwendungen, die hauptsächlich auf der Programmiersprache ABAP („Advanced Business Application Programming“) basiert. Sie enthält viele Unterkomponenten und Funktionen, darunter den SAP NetWeaver Application Server, der als Teil der Anwendungsschicht die Infrastruktur aller Unternehmensanwendungen im ERP-System darstellt. Die NetWeaver-Komponente stellt das effektive Systemmanagement von SAP ECC sicher. Weitere Aufgaben von NetWeaver sind beispielsweise die Verwaltung und Pflege der SAP-ECC-Systemumgebung, die Berechtigungsvergabe an Einzelpersonen oder Gruppen, die Einbindung externer Datenbanken und weitere gängige Basisfunktionen und Werkzeuge wie die modulübergreifende Suche.

SAP ECC als Weiterentwicklung

SAP ECC ist die Weiterentwicklung von SAP R/3 und obwohl es ein ähnliches dreiteiliges Client-Server-Modell hat, unterscheidet es sich in wesentlichen Punkten von seinem Vorgänger. Zum einen liegt das an den erweiterten Möglichkeiten durch technologische Innovation, zum anderen an der grundsätzlichen Entwicklung von SAP ECC. Anders als R/3 vereint SAP ECC alle Geschäftsfunktionen in einer einzigen Software. Somit deckt SAP ERP Central Component die Grundfunktionen von Geschäftsprozessen ab. Diese können durch die Auswahl einzelner SAP-Module und Erweiterungen ergänzt werden. So kann das ERP-System an die Anforderungen des Unternehmens angepasst werden – unnötige Anwendungen entfallen.

Erweiterungspakete und die SAP Business Suite

Die aktuelle - und voraussichtlich letzte - Version von SAP ECC ist SAP ERP Central Component 6.0 Enhancement Package 8, üblicherweise als SAP ERP 6.0 EHP 8 bezeichnet. Mithilfe der seit Version 6.0 von SAP bereitgestellten Enhancement Packages wird ein Erweiterungskonzept verfolgt, um den Zugang zu neuen Funktionen zu vereinfachen, ohne die Stabilität und Funktionalität des bestehenden Systems zu beeinträchtigen. Dank der Switch-Frame-Technologie sind Administratoren in der Lage, ausgewählte Updates und Erweiterungen flexibel zu integrieren. So entstehen keine langen Systemausfallzeiten.

Kernbestandteil der SAP Business Suite ist SAP ECC, welche das ERP-Basissystem um zusätzliche Funktionen wie das Customer-Relationship-Management ergänzt. Das Erfassen aller internen und externen Unternehmensdaten im zentralen System der Business-Suite schafft Transparenz und ermöglicht eine einheitliche Sicht auf Ressourcen und Prozesse. Unternehmen profitieren von datengestützten Analysen und der gezielten Optimierung einzelner Prozesse.

Die Client-Server-Architektur von SAP ECC

SAP ECC basiert wie R/3 auf einem dreistufigen Client-Server-Modell. Das System unterteilt sich in drei Schichten: Präsentationsschicht, Anwendungsschicht und Datenbankschicht.

Die Präsentationsschicht stellt das Frontend des Modells dar. Hier können Anwender auf das Netzwerk zugreifen. Anfragen und Aufträge geben sie in die grafische Benutzeroberfläche des ERP-Systems ein. Dann wickelt der Anwendungsserver auf der Anwendungsschicht den Prozess im Backend ab. Dabei werden die notwendigen Informationen aus der Datenbankschicht verwendet. Dieser Vorgang erfolgt in Echtzeit und ist für alle Benutzer gleichzeitig einsehbar. Relevante Benutzer können Änderungen in Bestellungen oder Datenbank direkt erkennen. Das Unternehmen muss selbst die notwendige Server-Infrastruktur aufstellen und Installations-, Wartungs- und Servicemaßnahmen durchführen.

Einführung von SAP ECC

SAP ECC kann im Rahmen eines Lizenzvertrags oder als Teil der SAP Business Suite bereitgestellt werden. Die Add-ons der Business-Suite ergänzen das zentrale ERP-System um spezialisierte Anwendungen für branchenspezifische Lösungen. Gemäß dem modularen Aufbau von SAP ECC können Unternehmen verschiedene Komponenten gezielt nach den eigenen Geschäftsanforderungen integrieren. Ein grundlegendes Merkmal von SAP ECC ist der modulare Aufbau. Das ERP-System ist keine einzelne Softwarelösung, sondern eine Vielzahl unabhängiger Anwendungspakete. Die Standardinstallation von SAP ERP Central Component umfasst Bereiche wie Logistik, Rechnungswesen und Personalwirtschaft. Diesen sind dann die Module untergeordnet, die die entsprechenden Geschäftsprozessen abbilden.

Die Implementierung von SAP ECC ist ein Großprojekt, dass die SAP-zentrierte Projektimplementierung erfordert. Dazu gehören Phasen, die sich in der Regel auf folgende Bereiche konzentrieren: Projektvorbereitung, Erstellung des Business Blueprints für den neu gestalteten Prozess, ECC-Konfiguration und -Entwicklung sowie die finale Vorbereitung.

SAP S/4HANA – die nächste Stufe

Das 2015 eingeführte ERP-System SAP S/4HANA wird bis 2027 SAP ECC ablösen. Es ist in mehrfacher Hinsicht zukunftsweisend. Erstens hat SAP bei der Entwicklung des ERP der vierten Generation besonderes Augenmerk auf die Vereinfachung der Bedienung gelegt, um die grafische Oberfläche zu optimieren und benutzerfreundlicher zu gestalten. Darüber hinaus sorgt der Einsatz von SAP HANA, einer von SAP entwickelten Datenbanktechnologie, für eine deutliche Leistungssteigerung. Weitere Informationen zu SAP S/4HANA finden Sie in unserem Blogbeitrag "SAP S/4HANA: DARUM LOHNT SICH DER WECHSEL".

Zusammenfassung

Seit seiner Konzeption hat SAP ECC als flexibles und umfassendes ERP-System viele Unternehmen in allen Bereichen begleitet. Die Software basierte ursprünglich auf den Funktionen des Vorgängers SAP R/3. Aufgrund der hohen Konfigurierbarkeit wurde SAP ERP Central Component über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt, ergänzt durch Updates, Erweiterungen und neuen Anwendungen. Angesichts der modernen wirtschaftlichen Anforderungen von Industrie 4.0, Internet of Things und Cloud Computing ist SAP ECC jedoch an seine Grenzen gestoßen. Daher planen immer mehr Unternehmen in den nächsten Jahren auf SAP S/4HANA umzustellen, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden.

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